Ein Review zeigt: Gespräche über Autofahren bei Demenz brauchen frühe Planung, klare Entscheidungshilfen und Unterstützung für Erkrankte, Angehörige und Hausärzt*innen.

Autofahren bedeutet für viele Menschen Selbstständigkeit, soziale Teilhabe und Lebensqualität. Bei einer Demenzerkrankung können jedoch fortschreitende kognitive Einschränkungen die Fahrsicherheit beeinträchtigen. Für Hausärzt*innen entsteht daraus eine anspruchsvolle Beratungsaufgabe: Sie sollen Risiken einschätzen, Gespräche frühzeitig anstoßen und Erkrankte sowie Angehörige bei Entscheidungen begleiten.

Ein integratives Review unter Mitarbeit des ifam in der Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen untersuchte, wie die Beratung zum Autofahren bei Demenz in der hausärztlichen Versorgung in Deutschland verbessert werden kann. Eingeschlossen wurden 69 internationale Primärstudien, darunter quantitative, qualitative und Mixed-Methods-Studien sowie Konsens- und Delphi-Arbeiten.

Die Ergebnisse zeigen, dass Autofahren von Menschen mit Demenz und pflegenden Angehörigen häufig als zentral für Autonomie und gesellschaftliche Teilhabe wahrgenommen wird. Ein Fahrverzicht kann daher mit Sorgen, Verlustgefühlen und praktischen Problemen im Alltag verbunden sein. Gleichzeitig kann eine ärztliche Empfehlung entscheidend dazu beitragen, dass ein freiwilliger Fahrverzicht akzeptiert wird.

Hausärzt*innen berichten jedoch von mehreren Barrieren. Dazu zählen Unsicherheit bei der Einschätzung fahrsicherheitsrelevanter Einschränkungen, Sorge um die Belastung der Arzt-Patienten-Beziehung und fehlende praxistaugliche Unterstützungsinstrumente. Bestehende Leitlinien werden häufig als zu allgemein beschrieben und passen aus Sicht der Befragten nicht ausreichend zu den konkreten Abläufen in der hausärztlichen Versorgung.

Das Review identifiziert mehrere Ansatzpunkte für eine bessere Beratung: Gespräche sollten möglichst früh im Krankheitsverlauf beginnen, wiederholt aufgegriffen und in eine längerfristige Planung eingebettet werden. Neben der Fahrsicherheit sollten auch Mobilität, Teilhabe und Alternativen zum Autofahren berücksichtigt werden. Hilfreich sind zudem Kommunikationshilfen, Entscheidungshilfen und klare Abläufe für die hausärztliche Praxis.

Für die Versorgung in Deutschland bedeutet dies: Beratung zum Autofahren bei Demenz sollte nicht erst bei akuten Sicherheitsbedenken einsetzen. Eine patient*innenzentrierte, frühzeitige und kontinuierliche Begleitung kann dazu beitragen, Risiken zu reduzieren und zugleich soziale Teilhabe möglichst lange zu erhalten. 

Text: Michael Pentzek

Übersicht: NewsletterErstellt am: 06.07.2026